Time Sensitive

Freitag, 13. August 2010 | von Thorsten | Kategorie: Aktuell, Persönlich, Privat

Von Abkürzungen und gedanklicher Meisterleistung

Hin und wieder kommt es vor, dass man wenig Zeit zum Schreiben einer E-Mail zur Verfügung hat. In diesen Situationen ist man dann meist nur kurz angebunden und will seine Information auf flottestem Weg weitergeben.

„FYI: RTFM oder UTFSE, ASAP … YMMD, TIA MFG“, eine an mich gerichtete E-Mail

FYI, ASAP und YMMD, RTFM oder UTFSE und wie sie alle heißen mögen. Die tollen Abkürzungen in E-Mails, die unüberlegt mal eben schnell in die Selbige eingefügt werden, sind für mich immer wieder Ärgernis und Unterhaltung zugleich. Ganz schlimm sind nur noch Eigenerfindungen, die man nicht einmal ergooglen kann. Eine besondere Herausforderung stellt eine Nachricht dar, die im Piet Klocke Stil geschrieben wurde.

Ja, ich sehe ein, dass kryptische Aneinanderreihungen von verschiedenen Buchstaben durchaus gelegentlich Ihren Sinn haben und sicher sogar schneller zu schreiben sind als „Zur Information“ zum Beispiel. Und natürlich sind viele Abkürzungen schon im normalen schriftlichen Gebrauch gelandet. PKW wird niemand in einer E-Mail als Personenkraftwagen ausformulieren und selbstverständlich sind auch mir viele Kurzschreibformen von Ihrer Bedeutung her klar. Dennoch hindert mich der Gebrauch solcher Wortspielerreihen immer wieder bei meiner Arbeit, genauso wie die anhaltend fortschreitende „Denglischisierung“ normaler Wörter, das ist aber ein anderes Thema.

„Sprache ist eine Waffe“, schrieb schon Kurt Tucholsky, ich möchte hinzufügen: „Schrift ist Macht!“ Sie bedarf Übung. So wie ein guter Redner sehr selten sofort glorreiche Saalreden aus dem Stand halten kann, schaffen es nur die Wenigsten auf Anhieb klar und deutlich zu formulieren. Man muss es gar nicht zur Perfektion bringen.

Vielleicht sollte doch gelegentlich mal der Gedanke durch den Kopf gehen, dass der vorgesehene Empfänger der geschriebenen E-Mail die benutzten Abbreviationen noch nie vorher gelesen hat. Weiter sinnvoll ist es, seiner geistigen Vorarbeit ebenso viel Zeit einzuräumen, wie dem geschriebenen Text. Schließlich kann doch niemand verlangen, dass jeder Empfänger die Gedankengänge des Schreibers versteht und nachvollziehen kann. Zwei Punkte, die weder viel Gehirnschmalz benötigen, noch in irgendeiner Weise den knappen Zeitrahmen sprengen. Sie bringen aber sehr viel!

Informationsweitergaben müssen nicht lang sein, je knapper und ausformuliert, desto konzentrierter landet die Information beim Empfänger. Außerdem stelle ich mir vor auf den Charakter des Absenders schließen zu können, wenn ein Text offensichtlich erst formuliert wurde, als die Finger bereits auf der Tastatur angeschlagen haben. Einen Augenblick sollte Zeit sein, einen Gedankengang zu Ende zu führen, für das was man mitteilen möchte, bevor man die Tastatur bemüht.

Ich will hier nicht als Moralapostel auftreten, oft ist es ja auch lustig eine E-Mail zu lesen, deren Inhalt man sich selbst ersinnen muss oder mehrere Stunden Zeit benötigt, um dahinter zu kommen, was eigentlich mitgeteilt werden sollte. Sicherlich bin ich gerade zynisch, das soll es aber gar nicht sein. Texte, wie Schiller oder Goethe sie schrieben, will ich in einer Nachricht eben auch nicht gerne lesen müssen. Letztendlich werden beide Formen von Nachrichten, sowohl die Überkurzen, als auch die Ausschweifenden nie ganz verschwinden Wenn die E-Mails, die versendet werden, wenigstens flüssig gelesen werden können, wäre ja schon viel Zeit gewonnen.

In diesem Sinne

CUT, MFG

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